Transformation by Design

„Nachfeilen muss nur der, dessen Hieb nicht sitzt.“ Diese Aussage meines Professors Uwe Lohrer ist mir aus Studienzeiten im Gedächtnis geblieben. Sie beschreibt den Moment der Wahrheit: Den Moment, in dem ein Entwurf zum ersten Mal gezeigt wird. Den Moment, in dem er durchfällt oder durch seine gestalterische Qualität überzeugt.
Design Driven Companies zeigen sich seit Jahrzehnten profitabler und resilienter als Unternehmen, die Design nicht als strategisches Asset nutzen, sei es bei der Produkt- oder Serviceentwicklung, für Kommunikation und Marketing oder bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Die Frage, was Design genau ist, was es umfasst, wie es funktioniert und wie sich hervorragendes von durchschnittlichem Design unterscheidet, bleibt meist unscharf. Die Wechselwirkung von Design, Strategie und Innovation potenziert die Komplexität. Vor dem Hintergrund der Digitalisierung wird Design Management zur wachsenden Herausforderung für alle Unternehmen. Das Wesen von Design ist Kommunikation. Kommunikation ist bekanntlich nicht, was gesagt, sondern was verstanden wird. Es gibt zahlreiche Untersuchungen darüber, was Kommunikation erfüllen muss, damit sie wirkt. Was dabei gerne übersehen wird, ist, dass visuelle Kommunikation nicht auf den Gesetzen der Logik basiert, sondern auf denen der Gestalt. 

 Dabei entsteht in unserer Wahrnehmung etwas gänzlich Neues, etwas, was über die Summe seiner Einzelteile hinausgeht. Was genau wahrgenommen wird, in welchem Kontext, Zusammenspiel, emotionalen Zustand, wie es interpretiert und mit welcher Bedeutung es assoziiert wird, läuft weitgehend unterbewusst und automatisiert ab. 

 Das, was entsteht, ist neben dem Bild einer Marke auch ein Gefühlskomplex, der alle Eindrücke verdichtet und fortlaufend dynamisch bleibt. Allen Messungen und Analytics-Methoden zum Trotz, dieses Bauchgefühl lässt sich nicht in „Data“ ausdrücken – aber er lässt sich gestalten.

„Menschen träumen in Bildern, nicht in Bulletpoints.“

Unsere Wahrnehmung arbeitet auf der Grundlage von Unterscheidungen, wobei eine definierte von einer undefinierten Einheit abgegrenzt wird. Das heißt, dass durch jede getroffene Unterscheidung etwas inkludiert und etwas anderes automatisch exkludiert, jedoch mit kommuniziert wird. Wie wir die Welt wahrnehmen und daraus Sinn konstruieren, lässt sich auf diese einfache Handlung zurückführen. Durch das Zusammenspiel verschiedener Unterscheidungen entsteht Identität. Jede Marke positioniert sich, indem sie sich eine Leitunterscheidung zu eigen macht und kommuniziert, z.B.: Freude bei BMW, Exzellenz bei Mercedes und technischer Vorsprung bei Audi. Die Positionierung ist die Unterscheidung auf inhaltlicher Ebene. Im Idealfall wird sie als Wert verstanden und als Ressource für das gesamte Unternehmen eingesetzt. Wer mit der gleichen Unterscheidung folgt, hat das Nachsehen.